Freigabeschlüssel
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carlafischerAuthoress · System Programmer
Autoplay OFF  •  2 months ago
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Freigabeschlüssel

von Carla Fischer

Arbeit:

Freigabeschlüssel. Nettopreis. Produktvormerkung. Erwarteter Umsatz. Rückstand. Forderung. Beitreibung. Impressum: System…—

Ich träume, eine Stadt zu durchwandern.

Gegen Sonnenuntergang. Gen Westen. Alte Straßen, verkrümmtes Kopfsteinpflaster. Rostige Geländer. Oberleitungen der Eisenbahn. Speckige Mauersteine.

Der Himmel: Glutrot.

Ein Gesumme. Motorenlärm als gleichmäßiges Schalldunkel. Hie und da, Grün im Asphalt. Die Straße hat eine Steigung. In der Nähe fährt ein Zug. Ta-ramm – – Ta-ramm – Ta-ramm. Gleismusik.

Monotonie der Ebene, wenig Raum.

Kein Vogel am Himmel, kein Insekt in der Luft. Kaum Menschen. Ein merkwürdiger Ort, der lebt, ohne daß an ihm Leben herrschte.

Ich selbst fühle mich nicht.

In meinem Kopf: Nur ein Abbild zusammengemurksten Widerscheins einer kranken Idee der Natur.

Ich bin so leer. Ich bin so müde.

Es gibt keinen rechten Ausdruck dafür. Dumpf vielleicht? Nein. Dumpf hat etwas Weiches, Einwickelndes. Wie ersticken. Aber es erstickt mich nichts.

Kein Aufblicken. Lediglich ein einfaches Gehenlassen.

Ich kann nicht mehr. Ich will nicht, daß dieser Moment vorbeigeht. Es darf nicht dunkler werden. Die Nacht darf nicht hereinbrechen.

Immer nur dieser Abend, immer nur diese Stunde:

Diese Geräusche; verwaschene Fahrbahnmarkierungen, fettig schimmernde Straßen. Aber kein Zeitverlauf. Keine Bekannten, kein Erkennen.

Keine Rückkehr, keine Heimkehr.

Lediglich eine herrliche Wiederholung des Schrecklichen. Ganz ohne jeden Sinn. Nichts wissen. Nichts ahnen. Nicht essen oder trinken. Auch nicht müde werden. Müde werden ist am schlimmsten.

Ich stelle fest:

Ich will hier nicht raus. Alleine die Vorstellung, daß man immer so hier entlanglaufen könnte, stimmt mich glücklich.

Ich glaube:

Das ist ein gutes Leben. Es schmeckt gleichförmig. Ohne Außenwelt. Ich will hier nicht raus.

Kein System…—

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carlafischerAuthoress · System Programmer
2 months agoReply
Diese Sprache: Wer sie verstehen kann, der lese! Ich nahm sie mit der Muttermilch. Sie waren zart, sie waren rein. Sie kamen bald, und nahmen, mich leise ein: Die ersten Worte. Und manchmal denke ich: Egal an welchem Orte, ich einmal bin zu scheiden: Sie sollen meine letzten sein.